María Dueñas zählt zu den aufregendsten jungen Geigerinnen ihrer Generation. Mit technischer Brillanz, klanglicher Tiefe und außergewöhnlicher Reife verbindet sie Virtuosität mit leidenschaftlicher Intensität und begeistert auf den großen internationalen Bühnen. Ob im klassischen Repertoire oder in großen romantischen Werken – María Dueñas verleiht jeder Komposition eine persönliche, von natürlicher Eleganz geprägte Handschrift, die sie in drei Konzerten beim diesjährigen Rheingau Musik Festival eindrucksvoll präsentiert.
Sie stehen bereits seit einigen Jahren auf den großen Bühnen der Klassik-Welt. Was bedeutet Musik für Sie persönlich? Gibt es auch Tage, an denen Sie bewusst ohne Musik auskommen?
Musik ist mein ganzer Alltag, sie gibt mir Halt und lässt mich fühlen, was Worte nicht können. Es gibt seltene Tage, da lasse ich sie mal ruhen, vielleicht beim Spazieren oder beim Wandern, aber sie schleicht sich immer wieder ein und summt im Hinterkopf.
Gibt es ein Werk, das Sie besonders gerne spielen, oder eines, das Sie immer wieder vor neue, unerwartete Herausforderungen stellt?
Die Chaconne von Johann Seabstian Bach gehört zu den Werken, zu denen ich immer wieder gern zurückkehre. Gleichzeitig stellt sie mich jedes Mal vor neue Herausforderungen, weil sie so vielschichtig ist. Man hört nie auf, Neues zu entdecken.
Was zieht Sie an einem Werk am meisten an: die technische Herausforderung, die emotionale Tiefe, die historische Bedeutung oder etwas ganz anderes?
Am stärksten berührt mich die emotionale Tiefe eines Werkes, dieses unmittelbare, „pure“ Gefühl dahinter. Technik und historische Dimension gehören selbstverständlich dazu und runden das Ganze ab, aber letztlich ist es diese innere Kraft eines Stückes, die mich nicht mehr loslässt.
Ihre Technik und ihr musikalisches Gespür werden auf der ganzen Welt gefeiert und bewundert. Wenn Sie sich auf einen Auftritt vorbereiten, erlauben Sie sich bewusst kreative Risiken? Wie finden Sie das Gleichgewicht zwischen Kontrolle und Freiheit?
Ich halte es für notwendig, immer wieder bewusst Neues auszuprobieren und kleine Risiken einzugehen, um die Musik lebendig zu halten. Kontrolle schenkt Stabilität, Freiheit sorgt für den zündenden Funken. Die Balance aus beidem ist für mich ideal und entsteht durch intensive Arbeit und genaues Hineinhören in die Musik und in mich selbst.
Haben Sie persönliche Rituale oder Gewohnheiten, mit denen Sie sich auf Konzerte vorbereiten? Mit Ihrer Professionalität und der Ruhe, die Sie auf den Konzertbühnen ausstrahlen, spielt Nervosität und Aufregung nach den Jahren überhaupt noch eine Rolle für Sie?
Meine Rituale sind relativ schlicht: das Instrument aufwärmen, bewusst atmen, die Atmosphäre des Konzerts innerlich durchgehen. Nervosität, oder besser gesagt eine Art positive Aufregung, ist immer da, aber sie äußert sich inzwischen als Energie, die mich antreibt, statt mich zu blockieren.
Welchen musikalischen Projekten oder Kompositionen möchten Sie sich in Zukunft noch widmen?
Ich bin offen und neugierig für neue Projekte, die auf mich zukommen, gern auch zeitgenössische Werke oder eigene Kompositionen. Mich reizt alles, was meinen Horizont erweitert und mir neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet.
Mit ihren drei Konzerten beim Rheingau Musik Festival spielen Sie sowohl im Kurhaus Wiesbaden als auch im Kammermusiksaal von Schloss Johannisberg. Beeinflussen solch unterschiedliche Orte und Räume ihr Spiel? Wie prägen Aufführungsorte die Interpretation eines Stückes?
Unbedingt. Das Kurhaus verlangt nach Kraft und Weite im Klang, während Johannisberg eher Feinheit und Nähe einfordert. Der Raum beeinflusst Dynamik, Atmung und die Verbindung zum Publikum. Er ist wie ein zusätzlicher Mitspieler. Gerade diese unterschiedlichen Facetten an einem Werk sichtbar zu machen, finde ich äußerst spannend.
Als Fokus-Künstlerin beim Rheingau Musik Festival sind Sie in mehreren Konzerten und unterschiedlichen Besetzungen zu erleben. Wie unterscheiden sich Rezitale oder Duoabende von Solopartien an der Seite großer Orchester? Spielt das Zwischenmenschliche eine große Rolle oder geht es letztlich nur um die Musik?
Rezitale und Duos leben stark von der unmittelbaren und musikalischen Verbindung zu den Partnern, das hat etwas sehr Intimes. Gleichzeitig spielt aber auch das Publikum eine entscheidende Rolle. An der Seite eines Orchesters trage ich meine Solostimme über einem großen Klangkörper; ohne die menschliche Ebene, ohne dieses Miteinander, würde alles flach wirken. Musik ist immer Beziehung, ob im Duo, im Rezital oder in der Solopartie mit Orchester.
Wir freuen uns sehr, dass Sie das Festival mit Ihren Konzerten bereichern. Worauf darf das Publikum gespannt sein und worauf freuen Sie sich selbst am meisten?
Ich freue mich sehr auf die unterschiedlichen Ebenen und Farben dieser Konzerte. Das Publikum darf sich auf Vielfalt, Kontraste und hoffentlich viele unerwartete Momente freuen. Auf die gemeinsame Energie im Saal bin ich schon jetzt gespannt. Herzlichen Dank für die Einladung!
Vielen Dank für das Interview!