Der Rhein und die Musik

Ein Fluss mit Einfluss

Foto ©  Rüdesheim Tourist AG/Robert Carrera
Text: Ruth Seiberts

„Weil die Mädel so lustig und die Burschen so durstig“: Es ist eine etwas dürftige, noch nicht einmal gut gereimte Antwort, die auf die Frage „Warum ist es am Rhein so schön?“ im gleichnamigen Karnevalslied der 1930er Jahre gegeben wird. Musik über den Rhein, Musik inspiriert vom Rhein, Musik, die am Rhein entstanden ist, hat viele Facetten, und – ein Glück – längst nicht immer kommt sie so hemdsärmelig und weinselig daher wie hier.

Gleichwohl: Wann immer der Rhein in Musik einfließt, geht es kaum ohne eine emotionale Komponente – kein Wunder also, dass vor allem die Romantik den Fluss als musikalisches Sujet für sich entdeckte. Ein Mozart etwa, der auf dem Rhein immerhin von Mainz bis Walluf unterwegs war, hatte noch keine Augen für landschaftliche Besonderheiten, sondern interessierte sich vor allem für das „Schiff, welches groß ist, 3 Zimmer und vorne und hinten noch große verdeckte Orte hat, wo die Kaufmanns Güter liegen.“ Und selbst für Beethoven, immerhin 200 Meter vom Rhein entfernt in Bonn geboren, spielte der Fluss keine besondere Rolle; die Natur, die in seine Werke Eingang fand, war vielmehr eine frei imaginierte.

Peter Ludwig Kühnen: Rheinlandschaft © Wikicommons
© Rüdesheim Tourist AG /Marlis Steinmetz

Zum „heiligen Strome“ wurde der Rhein dann aber bei den Dichtern der Romantik wie Heinrich Heine, die damit überhaupt erst die Komponisten auf das Thema brachten. Der Rhein als Band, als Spiegelbild, als Geheimnisträger, als Kulisse mittelalterlicher Burgszenen: Diese Motive fanden zunächst in die Literatur und dann in die Musik Einzug, etwa bei Robert Schumann, der Heines Verse kongenial in seiner „Dichterliebe“ umsetzte. Apropos Schumann: Der hatte ein durchaus ambivalentes Verhältnis zum Fluss. In seiner (gar nicht einmal von ihm selbst so benannten) „Rheinischen Sinfonie“, seiner Dritten, mögen zwar Erinnerungen an erlebte Szenen in der Rheinstadt Köln mitanklingen, aber der Rhein hätte ihm fast den Tod gebracht, als er sich 1854 in psychischer Notlage in den Fluss stürzte.

Hätte Schumann nur auf Felix Mendelssohn gehört, der bereits zuvor als Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf wirkte. Der hatte 1840 seine musikalische „Warnung vor dem Rhein“ ausgesprochen – „An den Rhein, an den Rhein, zieht nicht an den Rhein“. Allerdings hatte der Textdichter des Lieds nicht die Gefährdung von Selbstmördern im Sinn gehabt, sondern nur die Sorge zum Ausdruck gebracht, dass es dem Adressaten dort schlichtweg zu gut gehen könnte. „Da geht dir das Leben zu lieblich ein“. Man möchte fast ergänzen: „weil die Mädel so lustig und die Burschen so durstig“.

Übrigens hätte noch eine andere dritte Sinfonie den Beinamen „Rheinische“ verdient: Johannes Brahms vollendete seine Dritte im Sommer 1883 unweit des Rheins in Wiesbaden, und wer mag, hört durchaus etwas von dieser sommerlichen Leichtigkeit am Wasser aus der Musik. Ganz anders bei seinem Gegenspieler Richard Wagner: Der machte den Rhein in seine Oper „Rheingold“ zu einem der Schauplätze – und lässt es dementsprechend im Vorspiel aus der Tiefe in dunklen Klangfarben brodeln und wogen. Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege! Wagala weia!“, eröffnet Rheintochter Woglinde das Spiel – bis heute wohl eine der bizarrsten Hommagen an einen besonderen Fluss.

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Konzert

15.7. | Fr. 20 Uhr | K 43

Kurhaus Wiesbaden
Friedrich-von-Thiersch-Saal

Daniil Trifonov Klavier
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Ruth Reinhardt Leitung

Johannes Brahms Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll op. 15 Robert Schumann Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97
„Rheinische“