Es ist wieder soweit: Mit unserer festlichen Bach-Trompeten Gala läuten wir am 2. und 3. Dezember den Beginn der Adventszeit ein. Ganz traditionell zusammen mit dem Bach-Trompetenensemble München und natürlich wieder im Rheingauer Dom in Geisenheim.

Die katholische Pfarrkirche Heilig Kreuz wird aufgrund ihrer Größe und ihrer beiden Türme seit dem 19. Jahrhundert „Rheingauer Dom“ genannt, auch wenn sie nie ein Bischofssitz war. Dieser Begriff hat sich nach dem umfassenden Umbau in den Jahren 1837 bis 1842 durch den in Geisenheim geborenen Architekten Philipp Hoffmann „eingebürgert“.

 

 

„Vielleicht bestand an dieser Stelle bereits im 8. Jahrhundert eine Eigenkirche des Ortsherrn, die im Frühmittelalter in die Hand des Erzbischofs geriet“, schreibt Dagmar Söder in der Denkmaltopographie des Rheingaus. Anlässlich der Übertragung an das Mainzer Domkapitel im Jahr 1146 wird die Pfarrkirche erstmals erwähnt. Von einem Um- oder Neubau im 12. Jahrhundert waren die beiden Westtürme noch bis ins 19. Jahrhundert erhalten. „Wenigstens von diesem imposanten Westwerk der Kirche haben wir eine gute Vorstellung, denn die beiden gedrungenen quadratischen Türme mit Zeltdächern sind auf zahlreichen Abbildungen, Grenzsteinen und Siegeln überliefert. Schon seit dem hohen Mittelalter ragte Geisenheim durch die Doppeltürmigkeit seiner Kirche unter allen Rheingau-Orten hervor“, schreibt der Historiker Dr. Manfred Laufs. Als früherer Stadtführer in Geisenheim und ehemaliger Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung der Rheingauer Heimatforschung hat er viel zur Geisenheimer Geschichte recherchiert und veröffentlicht.

Nach seinen Ausführungen war das Mainzer Domkapitel von 1146 bis zur Säkularisation 1803 Zehntherr in Geisenheim und als solcher verpflichtet, für Bau und Erhaltung von Chorraum, Sakristei und Pfarrhof zu sorgen; es bestimmte es den Pfarrer, stattete ihn mit ausreichendem Unterhalt aus und behielt die restlichen Einkünfte für sich. Als „epochales Ereignis“ für die Geisenheimer Kirche bezeichnet er die Errichtung des heutigen gotischen Bauwerkes; von 1510 bis 1512 ließ das Mainzer Domkapitel den Chor und die Sakristei erbauen.

Der Rheingauer Dom – so wird die Kirche Heilig Kreuz seit dem 19. Jahrhundert genannt.

Gemeinde ging das Geld aus

In den folgenden Jahren bis 1518 erbauten die „Edlen und Bürger“ der Gemeinde in den vorgegebenen Maßen drei Gewölbeeinheiten des dreischiffigen Langhauses mit hohen Seitenschiffen, so dass eine fast quadratische Hallenkirche entstand – eine für das Spätmittelalter typische Volks- oder Predigerkirche. Am Übergang vom Chor zum Langhaus brachte man auf dem Dach einen hohen, zierlichen achtseitigen Dachreiter an. Da der Gemeinde während der Bauarbeiten das Geld ausging, wurde das Hauptschiff nur mit einer flachen, verputzten Balkendecke abgeschlossen, die man um 1754 mit einer barocken Stuckdekoration versah. Diese Flachdecke befand sich noch über dem heutigen Gewölbe, wie man an dem Verputz, der bis unter das Dach reicht, noch erkennen konnte. Die Seitenschiffe erhielten aber schon die Emporen mit den Netzgewölben, auch die Räume darunter wurden schon eingewölbt.

Blick von der Orgel-Empore in den baulich und liturgisch ansprechend ausgestatten Dom.

Ab 1816 zeigten sich Schäden, vor allem am südlichen Turm; 1826 hatte sich auch noch die Hauptmauer zwischen den Türmen nach außen ausgebuchtet, und einzelne Steine waren herausgefallen. 1829 war der Zustand unhaltbar geworden – die Türme mussten abgerissen werden. Unverzüglich begann man mit dem Neubau einer schlichten zweitürmigen neugotischen Fassade, ohne die Kirche zunächst zu vergrößern. „Aber es gab ‚Murks‘ am Bau, nämlich Sprünge und Ausweichungen des Mauerwerks“, berichtet Manfred Laufs. „1830 wurde der Weiterbau polizeilich verboten. Die bürgerliche Gemeinde als Bauträgerin prozessierte gegen die Baufirma. 1835 kam es endlich zum Vergleich. Nun war der Weg frei zu einem Neuanfang.“

Der in Geisenheim geborene, bedeutende Architekt Philipp Hoffmann erstellte einen Bauplan für die Türme, die Kirchenerweiterung um zwei Joche und die Einwölbung des Langhauses. Nach seinen Plänen wurde zwischen 1837 und 1842 der umfassende Neubau ausgeführt. „Es war dies einer der ersten großen historisierenden Bauten des Landes von künstlerischem Rang. Die neugotische Doppelturmfassade erinnert mit ihrer Westrose an das Straßburger Münster“, schreibt Laufs. Nachdem der südliche Turm 1879 durch Blitzschlag beschädigt wurde, stellte Philipp Hoffmann ihn schlanker und reicher wieder her, indem er die vier Ecken des Obergeschosses mit spitzen Pyramiden schmückte und über dem hohen Fenster des Glockenstuhls noch einen Dreiecksgiebel anbrachte.

Die dank vieler frommer, wohlhabender und adeliger Stifter reiche liturgische Ausstattung mit spätgotischen, barocken und neugotischen Elementen kann an dieser Stelle nicht einmal ansatzweise beschrieben werden. Das älteste und sehr wertvolle Ausstattungsstück dürfte der Dreikönigsaltar im südlichen Seitenschiff sein, um 1480 von dem Südtiroler Bildschnitzer Hans Klocker geschaffen und 1869 von der gräflichen Familie von Ingelheim gestiftet. Zur barocken Raumausstattung des 17. und 18. Jahrhunderts zählt die Kanzel mit ihrem weit ausladenden Schalldeckel, ebenfalls eine Stiftung der Grafen von Ingelheim aus dem Jahre 1752 mit deren Familienwappen, dem Allianzwappen der Familien Ingelheim und Dalberg. Aus demselben Jahr stammt auch das Chorgestühl mit schwungvollem Gebälk und Rocaille-Schmuck. Auch die meisten Heiligenstatuen stammen aus dieser Zeit.

Der neugotische Hochaltar nach fränkischem Vorbild wurde von Bischof Peter Josef Blum gestiftet.

Aus der dritten Phase der Ausgestaltung des Kirchenraumes stammt das neugotische Prunkstück, der Hochaltar, der 1886 aufgestellt wurde und den Barockaltar ersetzt hat. Er ist von dem Nürnberger Bildhauer Rosemund nach dem Vorbild des berühmten spätgotischen Hochaltars der evangelischen St. Jakobskirche in Rothenburg ob der Tauber geschnitzt worden. Das Vorbild ist 1466 entstanden. Den Altar hat der aus Geisenheim stammende Limburger Bischof Peter Joseph Blum bereits 1870 gestiftet.

Als man das Langhaus erweitert und das neue Westwerk errichtet hatte, wurde 1839 eine Stumm-Orgel bestellt, die 1842 für 5800 Gulden geliefert und eingebaut wurde. Das 1960 ungeschickt „modernisierte“ Instrument wurde von 1985 bis 1987 von dem Bonner Orgelbauer Johannes Klais gründlich restauriert.

Grabstätten von Adeligen

Links: Künstlerisch bedeutungsvoll ist das Epitaph aus dem 17. Jahrhundert für Philipp Erwein von Schönborn und seine Frau Ursula. Rechts: Der Grabstein für den 1496 verstorbenen Wilhelm von Scharfenstein ist das älteste noch erhaltene Grabdenkmal.

Außer den Pfarrern hatte auch der Adel das Recht, in der Kirche begraben zu werden. Es gab früher eine größere Anzahl von Grabdenkmälern, Gräbern und Grabplatten im Chorraum; auch Bestattungen vor dem Chorraum und in der Mitte der Kirche hat es gegeben. Das älteste heute noch zu sehende Exemplar ist der Grabstein des Wilhelm von Scharfenstein, der 1496 im Alter von 82 Jahren gestorben ist. Seit 1936 befindet sich die ehemalige Tumbenplatte an der Innenwand der Westvorhalle. Aus dem 16. Jahrhundert stammt das vielleicht schönste und anrührendste Grabdenkmal auf der Nordseite des Chorraumes, das Epitaph Friedrichs des Älteren von Stockheim und seiner Frau Irmel von Carben. Der Doppel-Grabstein wurde 1536 gefertigt. Als das künstlerisch bedeutungsvollste Grabdenkmal gilt das aus dem 17. Jahrhundert stammende Epitaph für den kurmainzischen Oberamtmann Philipp Erwein von Schönborn und seine Frau Ursula, geborene Greiffenclau von Vollrads, Mutter von 17 Kindern. Das Hochrelief aus weißem Marmor stellt in einer geradezu stürmischen Szene das kniende Ehepaar dar – er in barocker Rüstung, sie in Witwentracht. Beide schauen zu ihrem Erlöser Christus auf, der in den wild bewegten Wolken erscheint und auf den Lanzenstich auf seiner Brust deutet. Eine zu diesem Epitaph passende Grabplatte ist an der südlichen Außenwand des Doms angebracht. Neben dieser Grabplatte ist seit 2004 nach gründlicher Restaurierung auch die Grabplatte für den 1712 verstorbenen Sittich Herbold Graf von Berlepsch angebracht. Über den Schweifungen des Chorgestühls und an der Nordwand des Chores befinden sich noch weitere Epitaphien und Grabdenkmäler des Adels, beispielsweise für den 1742 verstorbenen Graf Heinrich Karl von Ostein.

Wie üblich, war auch in Geisenheim die Kirche vom Friedhof umgeben. Im Laufe des 15. Jahrhunderts wurde südlich der Kirche ein Beinhaus mit einer Michaelskapelle errichtet. Nachdem 1791 beides verfallen war, wurde es 1815 abgerissen. Da der Kirchhof alle sieben Jahre voll belegt war, wurde er 1819 vor die Siedlung verlegt und ist bis heute als „Alter Friedhof“ erhalten.

Der Bischof-Blum-Platz vor der Kirche hieß früher „Marktplatz“. Dort findet normalerweise freitags ein viel besuchter Wochenmarkt statt, der vorübergehend bis zum Frühjahr 2023 auf das Gelände hinter das Rathaus verlegt wurde. Bis dahin wird der Platz vor dem Dom nach den Wünschen der Geisenheimer Bürgerinnen und Bürger attraktiver und grüner gestaltet.

 

Quellen: Veröffentlichungen von Dr. Manfred Laufs. Denkmaltopographie für den Rheingau-Taunus-Kreis, Altkreis Rheingau, von Dagmar Söder.

Text und Fotos: Christa Kaddar

 

 

 

Dieser Text ist als Orginalbetrag im Rheingau Echo am 4.11.2022 erschienen. Autorin ist Christa Kaddar. Wir bedanken uns beim Zeitungsverlag und bei der Autorin für die Bereitstellung von Text und Fotos.

„With a little help from my friend!“ Ja, mit guten Freunden fällt das Leben gleich viel leichter. Auch wir als Rheingau Musik Festival sind dankbar für unsere treuen Freunde vom Rheingau Musik Festival e.V., die seit 35 Jahren untrennbar mit dem Festival verbunden sind. Wer weiß, wie wir ohne sie durch den Sommer 2020 gekommen wären? Wer weiß, auf wie viele grandiose Konzerte wir ohne sie verzichten müssten? Welche talentierten Nachwuchskünstler niemals im Rheingau hätten auftreten können? Und auch während des 35. Rheingau Musik Festivals waren sie wie immer an unserer Seite.

Ein guter Anlass, den Rheingau Musik Festival e.V. hier einmal genauer vorzustellen:

 

Im Winter 1987 wurde mit der Gründung des Rheingau Musik Festival e.V. der Grundstein des Rheingau Musik Festivals gelegt. Nach dem Motto „Für Sie, für uns, für alle“ unterstützt der Förderverein heute das Festival und bietet seinen Mitgliedern verschiedene Vorzüge, insbesondere eine exklusive Vorkaufsfrist beim Erwerb von Konzertkarten. Mithilfe der Mitgliedsbeiträge ermöglicht er dem Rheingau Musik Festival immer wieder Angebote, die allen Konzertbesuchern zugutekommen oder jungen Nachwuchskünstlern die Möglichkeit bieten, bei einem der renommiertesten und größten Festivals Europas eine Bühne zu erhalten.

„In diesem Jahr unterstützen wir mit Zuschüssen die Konzertreihen „Next Generation“ und „Fokus: Knabenchöre“, die beide junge Künstler in den Fokus stellen und ihnen somit nach der langen Corona-Zeit eine Möglichkeit zu Live-Konzerten bieten, die so nicht mehr selbstverständlich sind,“ berichtet der Schriftführer des Vereins Hans-Walter Lill. „Aber auch für die Möglichkeit, dem Festivalpublikum kostenfrei Abendprogrammhefte zur Verfügung zu stellen oder den Konzertführer to go „Hier spielt die Musik“  ins Leben zu rufen, sind wir ein Partner des Festivals.“

Die Wiege des Rheingau Musik Festival e.V.: Der Aderturm in Rüdesheim | Foto © Rüdesheim Tourist AG - Matthias Vaskovics

Der Rheingau Musik Festival e.V. wurde vor nun fast 35 Jahren, am 23. November 1987 gegründet. Zu den neun Gründungsmitgliedern des Vereins und damit auch des Rheingau Musik Festivals zählten neben dem heutigen Festivalintendanten Michael Herrmann u.a. Fürstin Tatiana von Metternich-Winneburg, der damalige Vorsitzende Walter Fink und sein Stellvertreter Hans-Clemens Lucht. Claus Wisser wurde vor 35 Jahren im Adlerturm in Rüdesheim zum Schatzmeister gewählt.

Seit 29 Jahren ist Claus Wisser nun der Vorsitzende des Vereins und sagt: „Der Förderverein ist die Keimzelle und das Herzstück des Rheingau Musik Festivals und stellt eine ganz persönliche Bindung jedes einzelnen Mitglieds zum Festival dar.“ Die ersten Jahre veranstaltete der Rheingau Musik Festival e.V. nämlich selbst das Festival. Inzwischen ist der Verein auf 4.000 Mitglieder angewachsen und nicht zuletzt den Fördermitgliedern ist es zu verdanken, dass das schwierige Jahr 2020 durch viel Solidarität nicht zu einem Bruch in der Festivalgeschichte führte, sondern dass das Rheingau Musik Festival mit Elan, großer Innovationskraft und vielen begeisterten Konzertbesuchern weiterbesteht und seinem Publikum Freude schenkt.

„Die Steinberger Tafelrunde, die Fahrenden Musiker in Weingütern, die Eröffnungskonzerte, die großen Klassik-Highlights oder Konzerte von Jazz-Größen stehen nicht nur bei unseren Mitgliedern hoch im Kurs. Dank eines exklusiven Vorkaufrechts haben unsere Mitglieder alljährlich die Möglichkeit, ihre Konzertkarten schon vor den anderen Festivalbesuchern zu sichern. Da stehen die Chancen, an Karten für besonders beliebte Veranstaltungen zu kommen, natürlich sehr gut,“ heißt es aus dem Vereinsbüro. „Wir bieten aber unseren Mitgliedern auch weitere Vergünstigungen über die Mitgliedskarte, die von Partnern im Rheingau und darüber hinaus unterstützt wird. Einladungen zu Veranstaltungen, regelmäßige Informationen über den Vereins-Newsletter oder die Zusendung der wichtigen Festivalpublikationen gehören genauso zu den Vorzügen einer Mitgliedschaft. Gerne können Sie mich mit Fragen rund um die Mitgliedschaft kontaktieren!“ sagt Friederike Klostermann-Gruber, Ihre Ansprechpartnerin des Fördervereins.

Jährliches Highlight: Die Steinberger Tafelrunde | Foto © Ansgar Klostermann
© Friederike Klostermann-Gruber
Der Vorstand des Rheingau Musik Festival e.V. (v. l. n. r.): Ute Herrmann, Dr. Heinz-Georg Sundermann, Claus Wisser (Vorsitzender), Hans-Walter Lill, Paul Meuer | Foto © Friederike Klostermann-Gruber

Kontakt

Rheingau Musik Festival e.V.
Telefon: 06723 – 90 88 94 5
info@rheingaumusikfestival-ev.de
www.festivalfreunde.de

Der Rheingau Musik Festival e.V. bietet Einzelmitgliedschaften und Partnermitgliedschaften zu einem Jahresbeitrag von 75 bzw. 100 Euro. Beitrittsformular und weitere Informationen finden Sie auf www.festivalfreunde.de.

 

Das von der „Initiative Musik“ und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ins Leben gerufene Förderprogramm NEUSTART KULTUR „Erhalt und Stärkung der Musikinfrastruktur (Livemusik-Veranstaltungen und Musikfestivals)“ fördert das Rheingau Musik Festival erneut 2022, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu mildern sowie die Weichen auf Zukunft des Festivals zu stellen.

„Mut und Innovationskraft waren die bedeutenden Grundpfeiler für einen erfolgreichen Festivalsommer 2021. Im Bewusstsein, ein künstlerisch herausragendes Festival auch unter schwierigen Bedingungen durchführen zu können, plante das Rheingau Musik Festival den 35. Festivalsommer 2022 mit neu geschöpftem Selbstbewusstsein. Das Team konzentrierte sich im Rahmen eines Neustarts auf die Planung, Vorbereitung und Durchführung einer zukunftsweisenden Spielzeit“, betont Michael Herrmann, Intendant des Rheingau Musik Festivals.

Für den weiteren Fortbestand des Rheingau Musik Festivals sind hohe Publikumszahlen essenziell, da es als privatfinanziertes Musikfestival auf Konzerteinnahmen zu 100 Prozent angewiesen ist. Hieraus ergibt sich beispielsweise ein erheblicher Bedarf an Investition in die Weiterentwicklung der Kundenkommunikation. Mit der Förderung junger Musiktalente schafft das Rheingau Musik Festival zudem die Rahmenbedingungen für den erfolgreichen Start in die künstlerische Karriere und trägt zur Sicherung von beruflichen Existenzen bei. Ich freue mich, dass wir mit der erneuten Zusage von NEUSTART KULTUR, die Marketing- und Konzertprojekte für 2022 umsetzen können“, erklärt Marsilius Graf von Ingelheim, Geschäftsführer des Rheingau Musik Festivals.

Ziel des Programms ist es, diese Musikinfrastruktur durch die Förderung künstlerischer Livemusik-Programme zu erhalten. Mit der dringend notwendigen Wiedergewinnung eines vielfältigen musikalischen Angebots sollen gleichzeitig Beschäftigungs- und Erwerbsperspektive für Kulturschaffende sowie Künstlerinnen und Künstlern geschaffen werden. Für das Rheingau Musik Festival bedeutet dies auch, ehemalige Konzertbesucherinnen und -besucher zurückzugewinnen aber auch neues Publikum zu erreichen. Damit sollen die Publikumszahlen aus der Rhein-Main-Region, aus Deutschland und darüber hinaus wieder dem Vor-Corona-Niveau angenähert werden. In der diesjährigen Festivalausgabe erhalten junge Musikerinnen und Musiker perspektivisch wichtige Auftrittsmöglichkeiten, die seit Beginn der Corona-Pandemie 2020 als Solo-Selbstständige in Existenznot gerieten.

 

Aller Anfang ist schwer! Das weiß auch das Rheingau Musik Festival und hat es sich deshalb zum Anliegen gemacht, Talente zu entdecken, zu fördern und ihre ersten Schritte auf der großen Konzertbühne zu begleiten. „Next Generation“ heißt unsere Konzertreihe, die Nachwuchstalente in den Fokus rückt.

Am 27. August stellen sich im diesjährigen Klassik-Marathon ganz unterschiedliche internationale Nachwuchskünstlerinnen und -künstler vor: Unter anderem sind Javier Rameix (Klavier), Paula Brizuela Carballo (Cello) und Luis María Suárez Felipe (Violine) zu Gast, die sich 2017 als Albéniz Trio formierten und seitdem große Erfolge im Kammermusikspiel zu verzeichnen haben. Rosa Neßling (Violine) und Sebastian Fritsch (Cello) haben sich 2010 zum Stuttgarter Kammerduo zusammengefunden und zählen auch international zu den aufstrebenden Kammermusikern des Streichernachwuchses. Der 2003 in Dänemark geborene Rune Leicht Lund (Klavier) gehört zu den vielversprechendsten und interessantesten Pianisten seiner Generation. Und die beiden Offenbacher Schlagwerker Julian Schneider und Robin Stark gewannen 2021 den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ mit Höchstpunktzahl und gaben so den Startschuss für ihre musikalische Karriere. Chad Hoopes (Violine), Matt Lipman (Viola) und Oliver Herbert (Cello), die alle in den USA studiert haben und bereits Meister ihres Fachs sind, haben sich für ihr Konzert am 28. August erstmals als All American Trio zusammengefunden.

Wir hatten Gelegenheit, den Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern ein paar Fragen zu stellen und die „Next Generation“ der Klassikstars näher kennen zu lernen.

Albéniz Trio © Kirill Bashkirov

Frau Neßling, Herr Fritsch, seit 2010 arbeiten Sie als Stuttgarter Kammerduo zusammen. Was ist Ihr Geheimrezept für eine langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit?

Stuttgarter Kammerduo: Von Anfang an inspiriert uns das gemeinsame Musizieren in dieser Formation. Hier entdecken wir unsere eigene künstlerische Persönlichkeit, unsere Interpretations- und Ausdruckskraft im Wechselspiel zwischen solistischen und begleitenden Momenten immer wieder neu. Diese Dichte der facettenreichen Stimm- und Klangführung ist für uns faszinierend.

Frau Carballo, Herr Rameix, Herr Suárez Felipe, auch Sie sind kammermusikalisch tätig und haben 2017 zusammen das Albéniz Trio gegründet. Was macht Ihrer Meinung nach eine erfolgreiche, künstlerische Zusammenarbeit aus?

Albéniz Trio: Wir glauben, dass es für eine gute künstlerische Zusammenarbeit auf die Offenheit ankommt, mit der man in ein Konzert oder eine Probe geht. Miteinander zu musizieren ist ein langer Prozess und man kann immer von anderen Musikern lernen. In der Musik gibt es keine absolute Wahrheit, sondern unterschiedliche Perspektiven und Sichtweisen und die besten künstlerischen Schöpfungen entstehen, wenn diese Sichtweisen kombiniert werden. Erik Satie sagte einmal: „Der Musiker ist vielleicht das bescheidenste Tier, aber er ist auch das stolzeste.“ Bescheidenheit ist in der Tat eine wichtige Eigenschaft, wenn man miteinander musiziert. Sobald wir drei zusammen spielen, lassen wir uns als Individuen zurück und versuchen eine starke Gemeinschaft zu bilden; der Komponist und seine Musik sind unser Ziel.

Herr Lipman, für Ihr anstehendes Konzert beim Rheingau Musik Festival haben Sie sich mit Chad Hoopes und Oliver Herbert erstmals als „All American Trio“ zusammengefunden. Welche waren Ihre größten Herausforderungen und wie haben Sie sie bewältigt?

Matthew Lipman: Es ist immer aufregend, für Auftritte nach Europa zu reisen, besonders wenn es um Musik von Mozart und Schubert geht, weil hier die Region und die Kultur sind, aus der die Komponisten stammen. Auch wenn wir drei Amerikaner sind, haben wir alle unterschiedliche musikalische Hintergründe; Chad hat in Cleveland und Kronberg studiert, Oliver am Curtis Institute of Music in Philadelphia und ich habe meine Studienjahre an der Juilliard School und der Kronberg Academy verbracht. Das stellt uns vor eine besondere Herausforderung, aber es ist spannend, unsere individuellen Blickwinkel zusammenzubringen, um für das wunderbare Rheingauer Publikum zu spielen.

Herr Stark, Herr Schneider, Sie haben letztes Jahr als Percussion Duo den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ mit Höchstpunktzahl gewonnen. Was hat sich seitdem für Sie verändert?

Stark & Schneider Percussion Duo: Durch „Jugend musiziert“ haben sich für uns viele neue Konzertmöglichkeiten in den unterschiedlichsten Formaten ergeben. Während wir davor überwiegend im regionalen Umfeld gespielt haben, werden wir nun auch vermehrt für große Events gebucht, wie etwa für die Tage der deutsch-chinesischen Begegnung der Kammermusik oder eben das wunderbare Rheingau Musik Festival. Außerdem ist seit der Vorbereitung auf den Wettbewerb unser Espressokonsum ins unermessliche angestiegen…

Herr Leicht Lund, Sie sind noch sehr jung, haben bereits zahlreiche Preise gewonnen und konzertieren im In- und Ausland. Was nehmen Sie aus diesen vielen Begegnungen für sich mit?

Rune Leicht Lund: Es ist ein wunderbares Gefühl, Anerkennung für meine Auftritte zu erhalten, für die ich so viel arbeite.

Kammermusik hält ihre ganz eigenen Fallstricke parat. Wie gehen Sie an ein neues Projekt heran?

Stuttgarter Kammerduo: Das tiefe gegenseitige Vertrauen als Mensch und Künstler trägt uns bei der Entdeckung und Verwirklichung neuer Ideen und Projekte.

Albéniz Trio: Neue Herausforderungen hängen nicht immer mit der Musik an sich zusammen, denn letzten Endes musizieren wir schon so lange, dass wir die Technik beherrschen und über genügend Disziplin verfügen, um das Repertoire vorzubereiten und einzustudieren. Musikalische Herausforderungen anzugehen liegt sozusagen in unserer DNA. Die Schwierigkeiten liegen eher in der zusätzlichen außermusikalischen Arbeit, die für ein Projekt anfällt. Als Musiker in der heutigen Welt zu arbeiten ist ein komplexer Job. Heutzutage müssen Musiker auch an ihrem Image arbeiten, sie müssen zu Kommunikatoren werden, in sozialen Netzwerken tätig sein und mit verschiedenen Agenturen zusammenarbeiten. Die Zeit für all diese Aufgaben aufzubringen und sich das richtige Wissen anzueignen, um diese Herausforderungen zu meistern, kann überwältigend sein.

Stuttgarter Kammerduo © René Gaens

Was hat Sie zu der Werkauswahl für Ihre Konzertprogramme inspiriert?

Matthew Lipman: Im Zentrum des Programms steht Mozarts gewaltiges sechssätziges Divertimento Es-Dur. Es ist ein Werk, an dem wir schon länger zusammen arbeiten wollten und das unserer Meinung nach wirklich die volle Bandbreite menschlicher Emotionen ausdrückt. Der Streichtriosatz B-Dur von Schubert ist ein reizvolles einsätziges Werk, um das Programm zu beginnen, und das Duo für Violine und Viola von Martinů ist ein farbenfrohes und vielseitiges Stück, das Chad und ich schon viele Male zusammen aufgeführt haben. Insgesamt stellt das Programm das Feingefühl und die Virtuosität von jedem von uns heraus und beleuchtet die Emotionen dreier sehr unterschiedlicher Komponisten.

Stark & Schneider Percussion Duo: Wir möchten Freude an Musik vermitteln. Damit das gelingt ist es natürlich wichtig, dass wir auch selbst Freude an unseren Stücken haben. Die Auswahl der Werke für ein Konzert hängt dann immer vom jeweiligen Rahmen ab. Generell versuchen wir in der Dramaturgie unserer Darbietungen immer ein stimmiges und kurzweiliges Gesamtkonzept zu erarbeiten. Ein Akzent im Programm für den Klassik-Marathon wollen wir durch die Aufnahme einiger südamerikanischen Stücke setzen. Sie sollen als Anregung dienen, den Begriff „klassische Musik“ also „Musik ersten Ranges“ nicht nur auf europäische Musiktraditionen zu begrenzen. In Teilen der Klassikszene gibt es leider immer noch gelegentlich Tendenzen, Musik anderer Kulturkreise als weniger qualitativ oder anspruchsvoll zu erachten. Wir möchten dem mit unserer Programmauswahl entgegenwirken und erhoffen uns dadurch auch einigen Menschen einen Zugang zu Musik anderer Kulturen zu eröffnen.

Stark und Schneider © Michael Bode
Stark und Schneider © Michael Bode

Herr Stark, Herr Schneider, bei der Auswahl Ihrer Instrumente zeigen Sie sich experimentierfreudig und weichen auch vom klassischen Schlagwerk ab. Was reizt Sie am meisten daran?

Stark & Schneider Percussion Duo: Unserer Instrumentenwahl liegt immer ein bestimmtes Klangideal zugrunde. Wir überlegen uns genau wie wir uns dem nähern können, welche Sounds am besten zur gewünschten Ästhetik passen und mit was es möglich ist, sie zu erzeugen. Da wird es dann auch gerne mal etwas unkonventionell. Da wir viele Stücke in unserem Repertoire auch selbst arrangieren, sind wir was das angeht natürlich auch nochmal ein Stück freier. So haben wir für das Klassik-Marathon-Konzert neben Marimba und Glockenspiel auch Badewanne und Siebträgermaschine mit dabei. Das ist das Schöne am Schlagwerk: Wir können theoretisch alles zum Instrument befördern.

Sie treten im Rahmen unseres Klassik-Marathons in der Reihe unserer Next Generation-Konzerte auf. Was bedeutet es für Sie, der nächsten Musikergeneration anzugehören, und welche Herausforderungen erwarten Ihrer Meinung nach die Next Generation?

Stuttgarter Kammerduo: Das Privileg der nächsten Musikergeneration anzugehören macht uns dankbar gegenüber allen Menschen, die uns bis hierher begleitet, geleitet und uns als Künstler unterstützt haben. Wir denken, dass die Next Generation in Anbetracht der Weltlage vor noch größeren Herausforderungen in sozialer, wirtschaftlicher und menschlicher Sicht stehen wird, um ihren Musikertraum leben zu können.

Albéniz Trio: Alle klassischen Musiker müssen sich in der heutigen Kulturbranche großen Herausforderungen stellen. Unsere Branche hat sich im Verlauf der Jahre kaum bis gar nicht verändert, wenn man vergleicht, wie im Bereich der klassischen Musik heute verfahren wird und wie es vor ein paar Jahren war. Die Bedürfnisse des Publikums haben sich jedoch verändert (vielleicht durch neue technische Möglichkeiten und die Wahrnehmung von Zeit; vielleicht hängen diese beiden Aspekte zusammen, aber dies mag ein Thema für Wissenschaftler sein); was wir bemerken ist, dass die Leute darauf gespannt sind, dass wir ihnen klassische Musik auf eine andere Weise präsentieren, dass wir beispielsweise erklären, was wir tun, oder dass wir uns legerer und weniger förmlich verhalten. Die Welt der klassischen Musik kann sehr konservativ sein und das ist nicht hilfreich. Wir müssen Wege finden, um besser mit dem Publikum zu interagieren, und wir müssen es wagen, in unterschiedlichen Bereich tätig zu sein, also mehr als multidisziplinäre Künstler zu arbeiten und weniger als Künstler, die nur in einem Bereich versiert sind.

Stark & Schneider Percussion Duo: Eine schöne Sache an Musik ist, dass sie in der Lage ist, Menschen Halt zu geben – gerade im Angesicht der großen Krisen, die aller Voraussicht nach auf uns zukommen (u.a. bedingt durch den Klimawandel), wird das immer wichtiger werden. Für die nächste Generation an Musikern bzw. Kunstschaffenden generell wird es eine bedeutende Aufgabe sein, der Gesellschaft eine Stütze zu bieten und Lebensfreude zu vermitteln. Dafür bedarf es auch mehr niedrigschwelliger praktischer Kulturangeboten. Was weiterhin wichtig sein wird, ist, die Relevanz von Kunst zu kommunizieren, um den zunehmenden Einsparungen an Musik-, sowie musikpädagogischen Institutionen, die u.a. zu ausbleibenden Festanstellungen an Musikschulen oder zum Abbau von Musikunterricht an vielen Schulen führen, entgegenzuwirken

Rune Leicht Lund: Ich denke, die größte Herausforderung ist es, die Relevanz klassischer Musik zu erhalten. Ich hoffe, dass auch in hundert Jahren noch Beethovens Symphonien aufgeführt werden, aber ich bin nicht sicher, ob das der Fall sein wird.

 

Als Nachwuchskünstlerinnen und -künstler haben Sie es bereits weit gebracht. Was würden Sie jüngeren Musikerinnen und Musikern mit auf den Weg geben?

Stuttgarter Kammerduo: Verfolgt euer Ziel, glaubt an euch und gebt eure Liebe und Freude für die Musik in jeder Form weiter!

Rune Leicht Lund: Mein Rat ist, dem Publikum immer eine großartige Konzerterfahrung zu liefern, an die sie sich erinnern. Wenn ich ein Konzert spiele, denke ich immer daran, auf eine Art und Weise aufzutreten, wie ich es noch nie zuvor getan habe. Das ist besonders wichtig, wenn es darum geht, klassische Musik zu verbreiten.

Matthew Lipman: Arbeitet hart, aber vergesst niemals, wer ihr seid. Letztlich sollte das Ziel eines Künstlers nicht sein, technische Fähigkeiten zu präsentieren, sondern vielmehr tiefgründigen Ausdruck zu kommunizieren. Daher ist es notwendig, bei jedem Schritt des Weges ehrlich zu sich selbst zu bleiben!

All American Trio © Jiyang Chen/Todd Rosenberg

Wo, würden Sie sagen, liegen ihre musikalischen Vorbilder?

Albéniz Trio: Wir sind zu dritt, daher gibt es viele Vorbilder für uns. Unsere Vorbilder sind aber nicht unbedingt klassische Musiker. Es sind Personen, die in die Musik und das Leben involviert sind. Statt jemanden namentlich zu nennen, würden wir lieber sagen, dass unsere Vorbilder Personen sind, die sich einer Sache verschrieben haben und mit Leidenschaft und Disziplin arbeiten, um ihre Ziele zu erreichen.

Rune Leicht Lund: Meine musikalischen Vorbilder sind Martha Argerich, Daniel Barenboim, Arthur Rubinstein, Vladimir Horowitz und mein Professor Jura Margulis.

Die letzten beiden Pandemie-Jahre waren für die Kulturbranche eine sehr schwere Zeit. Was haben Sie persönlich aus diesen beiden Jahren mitgenommen?

Stuttgarter Kammerduo: Wir haben aus dieser Zeit u.a. mitgenommen, dass es sehr wichtig ist, sich selbst immer weitere musikalische Ziele zu setzen, zuversichtlich zu bleiben und auch bei schwierigen Umständen neue Wege und Formen zu finden.

Albéniz Trio: Zunächst einmal war es eine Zeit, um zu reflektieren, sich neu zu erfinden und über die Zukunft nachzudenken. Manchmal tendieren wir dazu, von Projekt zu Projekt zu leben, und haben nicht genügend Zeit zu reflektieren. Die Pandemie war schrecklich für unsere Branche, aber sie hat uns auch gezeigt, wie wichtig Kultur und Kunst für die Menschen sind. Eine Welt ohne Kultur ist eine leere Welt; die Pandemie hat uns gezeigt, welche Macht Kultur besitzt und wie wichtig unsere Rolle in der Gesellschaft ist. Sie hat uns auch dazu gebracht, über die Wichtigkeit von Technologie in der Kunst nachzudenken und wie wir sie zum Werkzeug machen können, um ein neues Publikum zu erreichen.

Rune Leicht Lund: Für mich war diese Zeit nicht so schwierig, weil ich trotzdem ein paar Konzerte spielen konnte. Falls die Situation andauert oder sich wiederholt, ist es wichtig Online-Konzerte (Livestreams) zu arrangieren, um mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben.

Matthew Lipman: Für mich persönlich haben die Pandemie-Jahre mit beschränkten Auftrittsmöglichkeiten zwei wesentliche Tatsachen bestätigt. Durch private Reflexion allein mit meiner Viola habe ich erstens festgestellt, dass Musik in meinem Leben oberste Priorität hat. Ich kann einfach nicht ohne sie leben oder mich vollkommen ausdrücken. Zweitens ist Musik für die Struktur menschlicher Gesellschaft essenziell. Zuhörer und Künstler haben nach künstlerischem Ausdruck gedürstet, den nur Musik bieten kann, und nach der Pandemie zurückzukommen fühlt sie wie ein Fest für die Kunstform an, die wir alle lieben.

Rune Leicht Lund © Tom Mckenzie

Sie haben Ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Ist die Musik auch Ihr Ausgleich im Alltag, oder gibt es andere Aktivitäten, die Ihnen einen Ausgleich bieten?

Stuttgarter Kammerduo: Leidenschaft geht immer mit großer Intensität einher. Daher ist es für uns auch wichtig, immer wieder Abstand zu gewinnen z.B. in der Natur.

Albéniz Trio: Musik verschwindet niemals. Man lebt immer in der Musik. Das ist unausweichlich. Aber Musik besteht nicht nur aus Noten. Musik bedeutet auch, in der Welt zu leben, Menschen zu treffen, raus zu gehen. Auf diese Weise kommt man erfrischt und inspiriert zu seinem Instrument zurück. Wir treiben viel Sport und wir genießen es zu reisen und in neuen Restaurants zu essen; das ist unser Hobby. Es ist jedoch schwierig, nicht die ganze Zeit an sein Instrument zu denken. Deshalb zwingen wir uns manchmal, für eine Woche soweit wie möglich Abstand von unseren Instrumenten zu bekommen und die ganze Woche zu nutzen, um zu lessen, zu trinken und Spaß zu haben. Denken Sie an eine Insel in der Karibik.

Rune Leicht Lund: Ich mag es, Musik zu hören, aber ich lasse sie selten nur im Hintergrund laufen. Ich höre immer mit kritischen Ohren zu. Hauptsächlich höre ich klassische Musik. Zur Entspannung gehe ich auch gerne ins Museum und gehe mit meinen Freunden in den Bergen spazieren, wenn ich in Wien bin.

Matthew Lipman: Musik ist die erste Liebe meines Lebens, aber wie Sie sagen, ist sie auch mein Beruf. Als Musiker müssen wir vorsichtig sein, dass unsere persönliche Identität nicht allein auf unserer Karriere basiert. Ich liebe es, Tennis zu spielen, mich mit meinen Freunden zu treffen und Podcasts zu hören, wenn ich nach einem langen Tag voller Musik entspanne. (Und ich habe ein Interesse für Wein entwickelt – ich kann es kaum erwarten, einen köstlichen deutschen Riesling im Rheingau zu probieren!)

Herr Stark, Herr Schneider, wo geht für Sie als Nachwuchskünstler die Reise hin?

Stark & Schneider Percussion Duo: Jetzt erstmal nach Brasilien, wo wir im September einige Konzerte geben werden. Außerdem werde ich (Julian Schneider) im Oktober mein Musikstudium bei Prof. Håkon Stene an der Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau beginnen und ich (Robin Stark) mich parallel zu meinem Physikstudium auf die Aufnahmeprüfung fürs Musikstudium vorbereiten.

Welche Ziele haben Sie für das nächste Jahr?

Stuttgarter Kammerduo: Eines unserer kommenden Projekte sind die „Acht Bagatellen“, die Gregor Hübner für uns komponiert hat. Wir freuen uns schon sehr darauf, das Werk kennen zu lernen und uraufzuführen!

Stark & Schneider Percussion Duo: Weiterhin als Duo viele Konzerte geben und Menschen erreichen.

Albéniz Trio: Wir werden an neuen Projekten, neuen Wettbewerben und neuen Engagements arbeiten. Aber unser Ziel ist es, einen Agenten zu finden, mit dem wir für eine längere Zeit gut zusammenarbeiten können. Und ein Netzwerk aufzubauen und über innovative Möglichkeiten nachzudenken, um Kammermusik in die Öffentlichkeit zu bringen.

Rune Leicht Lund: Ich möchte so viel Musik wie möglich lernen und viele Konzerte spielen. Mit anderen Worten: Ich möchte den Rest meines Lebens davon leben, Musik zu machen. Ich improvisiere auch gerne und bin fasziniert von musikalischen Strukturen verschiedener Stile und Komponisten. Ich nehme auch gerne an Wettbewerben teil, aber nur, um meiner Karriere Schub zu verleihen und meinen Zielen näher zu kommen.

Matthew Lipman: Ich möchte weiterhin bestmöglich Musik machen und ich würde gerne als Solist oder mit Kammermusik häufiger nach Deutschland und den Rest von Europa reisen. In den letzten Jahren habe ich außerdem daran gearbeitet, Lehrerfahrung zu sammeln, und freue mich darauf zu sehen, wie sich dies entwickelt. Ich bin so aufgeregt, das zweite Jahr in Folge beim wunderbaren Rheingau Musik Festival aufzutreten.

 

 

Das Festival hat begonnen und mit LG SIGNATURE, der Premium-Marke von LG Electronics, haben wir erneut einen starken Partner und Hauptsponsor an unserer Seite. Auf ein ganz besonderes gemeinsames Highlight freuen wir uns am 30. August 2022: Gemeinsam mit LG SIGNATURE und unserem diesjährigen Fokus-Künstler Jan Lisiecki laden wir im Kurhaus Wiesbaden zu einem Benefizkonzert zugunsten junger Nachwuchskünstler ein.

Abgesagte Konzerte, der Wegfall finanzieller Mittel – junge Talente haben seit nun über zwei Jahren mit enormen Herausforderungen zu kämpfen. Hier wollen und müssen wir gemeinsam unterstützen. Alle durch Spendengelder erzielten Einnahmen des Benefizkonzerts gehen daher zu 100 Prozent an den gemeinnützen Verein „Zukunft Klassik e.V.“ Der Verein unterstützt Konzertveranstalter dabei, international aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern, wie beispielsweise auch dem Youth Symphony Orchestra of Ukraine, wieder regelmäßige Auftritte zu ermöglichen.

Es ist ein Anliegen, das uns allen am Herzen liegt: „Sowohl für die Musiker als auch für uns Veranstalter und – nicht zu vergessen – das Publikum war die vergangene Zeit sehr bitter. Der Kern der Musik, das gemeinsame Erleben, ging komplett verloren. Wir möchten besonders die jungen Musiker nicht allein lassen und werden ihnen mit ‚Zukunft Klassik e.V.‘ so gut wie möglich unter die Arme greifen“, so Marsilius Graf von Ingelheim, Geschäftsführer des Rheingau Musik Festivals.

„Die Welt ist heute unsicherer denn je, und deshalb ist es besonders wichtig, die nächste Generation von Musikern zu unterstützen.“ (Jan Lisiecki)

Und auch Jan Lisiecki betont die Notwendigkeit, den Nachwuchs zu unterstützen: „Es ist ein Geschenk, Musik mit einem Live-Publikum zu teilen: meine Kunst zeigt dort ihre Stärke für uns alle. Die Welt ist heute unsicherer denn je, und deshalb ist es besonders wichtig, die nächste Generation von Musikern zu unterstützen, damit sie die Möglichkeit haben, die Magie der Musik zu teilen – egal woher sie kommen. Umso mehr freue ich mich, hier gemeinsam mit LG SIGNATURE einen wertvollen Beitrag leisten zu können.“

Jan Lisiecki © Christoph Köstlin/DG

„Es ist fantastisch, dass wir die Musik und die wunderbaren Kulturstätten des Rheingaus wieder mit anderen Menschen erleben können“ (Caroline Funk, Head of Communications bei LG Electronics Deutschland)

 

Neben dem kanadischen Pianisten verkörpern zwei weitere Musiker besonders die Markenphilosophie von LG SIGNATURE: die herausragende Violinistin Julia Fischer und die Fagottistin Sophie Dervaux, für deren Konzerte beim Rheingau Musik Festival die Marke Pate stehen wird.

„Es ist fantastisch, dass wir die Musik und die wunderbaren Kulturstätten des Rheingaus wieder mit anderen Menschen erleben können“, freut sich Caroline Funk, Head of Communications bei LG Electronics Deutschland. „Mit unserem Engagement möchten wir die Kunst- und Kulturszene weiter unterstützen und dazu beitragen, dem Publikum und den Künstlern wieder Freude und Zuversicht zu geben.“

Technologie und Kunst gehen bei LG SIGNATURE Hand in Hand. Davon können sich unsere Besucherinnen und Besucher im Festivalsommer aus nächster Nähe überzeugen. Denn für Liebhaber von gutem Wein und guter Musik – und wenn es die beim Rheingau Musik Festival nicht gibt, wo dann? – wird LG SIGNATURE mit attraktiven Top-Produkten vor Ort sein.

 

 

© LG SIGNATURE

LG SIGNATURE steht Pate bei folgenden Konzerten:

23.7. | 19 Uhr | K 57

Kurhaus Wiesbaden
Friedrich von Thirsch-Saal

Julia Fischer Violine
Kammerorchester Potsdam
Tarmo Peltokoski Leitung

29.7. | 20 Uhr | K 73

Kurhaus Wiesbaden
Friedrich von Thirsch-Saal

Jan Lisiecki Klavier & Leitung
Chamber Orchestra of Europe

6.8. | 18 Uhr | K 89

Kloster Eberbach

Sophie Dervaux Fagott
Festival Strings Lucerne
Daniel Dodds Violine & Leitung
Ensemble Prisma
Aris Quartett & Thorsten Johanns Klarinette
Timothy Chooi Violine
Martin James Bartlett Klavier