Dieses Erlebnis ist wahrlich ein Fest für alle Sinne. Naja, für fast alle Sinne. Denn ein Sinn wird in diesem außergewöhnlichen Konzertformat bewusst ausgeschaltet: das Sehen. Umso geschärfter ist dafür der Hörsinn. Es entstehen starke Bilder im Kopf und die Musik wird so außergewöhnlich intensiv wahrgenommen. Man ist kurze Zeit auf der Suche nach neuen Ankerpunkten, findet sich neu zurecht, achtet auf andere Dinge, wird sich Manchem vielleicht neu bewusst – und lässt sich fallen in eine Welt aus Musik und Text, Gedanken und Gefühlen, Fiktion und Wahrheit und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

„Dark Room“ nennt sich diese besondere Konzertreihe, die 2012 vom Orchester im Treppenhaus ins Leben gerufen wurde, mittlerweile fünf Teile umfasst und sich deutschlandweit großer Beliebtheit erfreut. Es ist ein Dunkelhörspiel, ein Dunkelkonzert, in dem das Publikum ohne visuelle Reize mit Musik und Text konfrontiert wird. In einem abgedunkelten Raum werden die Konzertgäste zunächst mit Schlafbrillen ausgestattet und blind an den Platz geführt. Und dann gilt es sich einzulassen auf ein besonderes Format, auf ein Konzerterlebnis, das verschiedene Kunstformen in sich vereint und sowohl unterhaltsam ist, als auch zum Nachdenken anregt.

In diesem Jahr präsentieren die Mitglieder des Orchesters und die beiden Synchronsprecher Tobias Kluckert und Norman Matt ihren „Blindflug ins All“ beim Rheingau Musik Festival (5.8.) im Fürst von Metternich Konzert-Kubus auf Schloss Johannisberg. Erzählt wird die abenteuerliche Geschichte der Kosmonauten Pawel Beljajew und Alexei Leonow, beginnend mit dem Start ihrer Mission Woschod2 bis zu ihrer glücklichen Bergung im winterlichen Ural. Es ist eine Geschichte über den Wettkampf der Ideologien zweier Großmächte. Und es ist die Geschichte zweier einfacher Männer, denen alles abverlangt wird, und die im Angesicht des Todes in einer kleinen, fliegenden Blechbüchse die ultimativen Fragen der Menschheit berühren. Fragen – ebenso zeitlos wie aktuell. Was bedeutet uns die Erde? Wie verletzlich, wie klein ist unser kostbares Habitat? Und wie fragil ist die ganze menschliche Existenz? Das Orchester im Treppenhaus verwebt die Geschichte mit Musik von Marko Nikodijevic, Giovanni Sollima und Gustav Holst: „Blindflug ins All“ ist ein Hörtrip, eine Klangmission zwischen Spannung, Komik und Transzendenz.

Diesem Orchester gelingt es immer wieder, den Rahmen klassischer Konzerte aufzubrechen. Seine Mitglieder sind immer auf der Suche nach Neuem, Unerwarteten und auch Forderndem. Für sich selbst, aber auch für das Publikum. Und sie sind vor allem eines: neugierig. Mit spielerischem Forschungstrieb untersuchen die jungen Musikerinnen und Musiker des Orchesters im Treppenhaus die Grenzen der Live-Situation Konzert, öffnen Türen zu neuen Hörerlebnissen, intimen Momenten und überraschenden Inhalten. Ihre Konzertformate sind unbedingt erlebenswert – mit (fast) allen Sinnen!

Konzert

K 82 | FR 5.8.2022 | 19 Uhr

Schloss Johannisberg
Fürst von Metternich Konzert-Kubus

Orchester im Treppenhaus präsentiert
„Dark Room: Blindflug ins All“

Tobias Kluckert und Norman Matt, Sprecher
Orchester im Treppenhaus
Thomas Posth, Leitung

Fotos © Nailya Bikmurzina, Yvonne Salzmann, Moritz Küstner

Bachnächte im Kloster Eberbach

An insgesamt vier Abenden beleuchtet das Rheingau Musik Festival in dieser Saison einen einzigartigen und unendlich reichhaltigen musikalischen Kosmos. Vier „Bachnächte“ zeigen einen Ausschnitt aus dem Schaffen von Johann Sebastian Bach, jenem Komponisten, dessen Kunst oft als die Basis aller Musik gesehen wird.

Manchmal ist es fast bedauerlich, dass wir über Johann Sebastian Bach vergleichsweise wenig wissen. Wie gern würden wir ihn als Menschen, als Familienvater, als Musiker, als unermüdlichen und genialen Komponisten noch tiefgehender erfassen. Doch die nicht-musikalischen Quellen sind eher rar. Gleichzeitig hat er der Nachwelt aber einen so großen Schatz an Musik hinterlassen, dass es schwerfällt, diesen überhaupt nur grob zu überblicken. Doch auch die Entstehungsgeschichten seiner Werke sind nicht immer ganz eindeutig nachzuvollziehen. Nehmen wir als Beispiel die Suiten für Violoncello, sechs aus mehreren Einzelsätzen zusammengestellte Werke, die oft stilisiert modische Hoftänze ihrer Entstehungszeit und der Generation davor vereinigen. Wir wissen nicht verlässlich, warum, für wen und wann Bach sie komponierte. Seine Manuskripte sind nicht erhalten, lediglich einige wenige Abschriften von unterschiedlichen Autoren, eine unter anderem von seiner zweiten Frau Anna Magdalena. Ihre Abschrift gilt heute allgemein als verlässlichste Quelle. Vermutlich entstanden die Werke in Bachs Zeit in Köthen, wo er zwischen 1717 und 1723 am Hofe von Fürst Leopold von Anhalt-Köthen als Kapellmeister und „Director derer Cammer-Musiquen“ engagiert war. Geistliche Musik, Orgelwerke und Kantaten, wie sie beispielsweise später in großem Umfang in Leipzig entstanden, spielten im calvinistischen Köthen keine Rolle. Bach konnte sich somit auf Instrumentalmusik konzentrieren, die vorwiegend zur Unterhaltung dienen sollte.

Johann Sebastian Bach während seiner Zeit als Kapellmeister in Köthen. Porträt von Johann Jakob Ihle.

Macht man sich bewusst, dass es ich bei den sechs Cellosuiten um rund 300 Jahre (!) alte Musik handelt, so ist es faszinierend, dass sie zu den meistgespielten Werken für Cello überhaupt gehören. Ihre Erfolgsgeschichte setzte allerdings viel später ein. Erst lange Zeit nach Bachs Tod erschienen die sechs Suiten im 19. Jahrhundert erstmals im Druck und es dauerte nochmal viele Jahrzehnte, bis der junge Pablo Casals die Erstausgabe in einem Antiquariat entdeckte und so schließlich den Siegeszug der Suiten im öffentlichen Konzertleben einleitete. Als Meilensteine der Celloliteratur gehören sie mittlerweile zum Standardrepertoire jedes Cellisten.

Ähnlich wie in den sechs Cellosuiten reizt Bach auch in den sechs Sonaten und Partiten für Violine solo alle technischen Möglichkeiten des Instruments mit rasanten Läufen, kunstvollen Doppelgriffen und vielfältigen Sätzen aus. Sie entstanden (vermutlich zum Großteil) ebenfalls in seiner Zeit in Köthen, in der er sich allgemein mehr auf „weltliche“ Musik konzentrierte. Der berühmteste Satz ist wohl die gewaltige Chaconne aus der d-Moll-Partita. Sie stellt nicht nur das gesamte bisherige Repertoire für Violine in den Schatten, sondern sie dauert mit rund 14 Minuten so lange wie alle anderen Sätze der Partita zusammen. Mit ihrer enormen Ausdrucksstärke verblüfft sie bei jedem Hören aufs Neue und noch große Komponisten späterer Generationen zogen staunend den Hut. Johannes Brahms beispielsweise fasste seine Gedanken zur Chaconne so zusammen: „Die Chaconne ist mir eines der wunderbarsten, unbegreiflichsten Musikstücke. Auf ein System für ein kleines Instrument schreibt der Mann eine ganze Welt von tiefsten Gedanken und gewaltigsten Empfindungen. Hätte ich das Stück machen, empfangen können, ich weiß sicher, die übergroße Aufregung und Erschütterung hätten mich verrückt gemacht.“

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Im stimmungsvollen Laiendormitorium zeigt der international mehrfach ausgezeichnete Geiger Linus Roth durch seine gefühlvolle und kluge Interpretation, warum diese sechs Werke unzweilhaft eine Gipfel der abendländischen Violinmusik markieren.

Dass Bach in allen Bereichen bis dahin geltende Grenzen sprengte, zeigen auch seine Werke für Tasteninstrumente. „Calvier-Übung“ nannte er schlicht seine 30 Variationen über ein Thema, die heute als „Goldberg-Variationen“ berühmt sind. Der Name geht auf eine Anekdote zurück, die der erste Bach-Biograph Johann Nikolaus Forkel berichtet. Die Variationen waren demnach für den mit der Familie Bach befreundeten Grafen Hermann Carl von Keyserlingk gedacht, in dessen Diensten der Cembalist Johann Gottlieb Goldberg stand. Die Goldberg-Variationen stellen den Spieler nicht nur vor enorme technische Herausforderungen, sondern enthalten gleichzeitig den gesamten Kosmos barocker Musik. Sämtliche Formen der Tanzsuiten, stilisierte Konzertsätze oder Ouvertüren und versteckte Volkslieder – der Reichtum an Stilen ist schier grenzenlos. Und je näher man ins Detail geht, je mehr man die einzelnen Variationen unter die Lupe nimmt, desto mehr staunt man über die enorme Kunstfertigkeit Bachs. Wie kann Musik so durchdacht sein und gleichzeitig so natürlich klingen? Übrigens: Auch von den Goldberg-Variationen existiert kein Manuskript mehr, sie wurden aber noch zu Lebzeiten Bachs gedruckt. Für eine Sensation sorgte schließlich 1975 der Fund von Bachs persönlichem Handexemplar, das er mit zahlreichen Zusätzen und Korrekturen sowie einem Anhang mit 14 Kanons über die ersten acht Noten des Aria-Basses versehen hat.

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Der französische Cembalist Jean Rondeau zählt zu den besten Cembalisten weltweit. Am 17. Juli interpretiert er die  „Goldberg-Variationen“ im Laiendormitorium von Kloster Eberbach.

 

Clavier Ubung | bestehend | in einer | ARIA | mit verschiedenen Verænderungen | vors Clavicimbal | mit 2 Manualen. | Denen Liebhabern zur Gemüths- | Ergetzung verfertiget von | Johann Sebastian Bach | Königl. Pohl. u. Churfl. Sæchsl. Hoff- | Compositeur, Capellmeister, u. Directore | Chori Musici in Leipzig. | Nürnberg in Verlegung | Balthasar Schmids. Titelseite und Aria des Erstdrucks aus dem erst 1975 entdeckten Handexemplar von J. S. Paris, Bibliothèque Nationale (F-Pn MS-17669)
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Auch für Sologesang bietet das Œuvre Johann Sebastian Bachs eine nahezu unerschöpfliche Fülle an Kompositionen. In seiner Funktion als Kirchenmusiker schrieb Bach zahlreiche geistliche Kantaten für die Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres. Seine Kantaten erlangten eine so große Bekanntheit, dass sich schließlich der Begriff der „Bachkantate“ etablierte. Etwa 200 dieser Bachkantaten sind heute noch erhalten. Die mehrsätzigen musikalischen Werke für Chor, Orchester und Vokalsolisten waren für die Aufführung im Gottesdienst oder für festliche Anlässe bestimmt. Von den zahlreichen Kantaten Bachs die besten auszusuchen, grenzt an ein nahezu unmögliches Unterfangen. Doch der junge Bariton Benjamin Appl hat es gewagt. Das Ergebnis ist sein Album „Bach“, das er zusammen mit Concerto Köln aufgenommen und 2018 veröffentlicht hat. Für den ehemaligen Regensburger Domspatzen ist die Musik Bachs ein persönliches Anliegen. Am 24. August ist er mit Arien aus Kantaten und anderen Werken Bachs zu Gast in der Basilika von Kloster Eberbach. Begleitet wird er wieder von Concerto Köln, das seit mehr als 30 Jahren mit seinem unverwechselbaren Klang zu den führenden Ensembles im Bereich der historischen Aufführungspraxis zählt.

Philipp Leibbrandt

Konzerte

Die einzigartige Kulisse von Kloster Eberbach, sei es im Laiendormitorium oder in der monumentalen Basilika, lädt zu diesen vier ganz besonderen Konzerthöhepunkten der diesjährigen Saison ein. Mit von der Partie sind wahre Virtuosen und Ausnahmekünstler ihres Fachs, die die Werke Johann Sebastian Bachs in der Rheingauer Sommerabendstimmung zum Leuchten bringen werden!

K34 |  So 10.07.2022 | 18 Uhr
Kloster Eberbach, Laiendormitorium
Sechs Sonaten und Partiten für Violine solo BWV 1001–1006
Linus Roth, Violine

K106 | So 14.08.2022 | 19 Uhr
Kloster Eberbach, Laiendormitorium
Suiten für Violoncello Solo IV–VI BWV 1010–1012
Kian Soltani, Violoncello

K50 | So 17.07.2022 | 19 Uhr
Kloster Eberbach, Laiendormitorium
Aria mit 30 Veränderungen BWV 988 „Goldberg-Variationen“
Jean Rondeau, Cembalo

K118 | Mi 24.08.2022 | 20 Uhr
Kloster Eberbach, Basilika
Arien aus den Kantaten
Benjamin Appl, Bariton
Concerto Köln
Evgeny Sviridov, Violine & Leitung

So idyllisch Kloster Eberbach, so imposant Schloss Johannisberg, so malerisch die Weingüter des Rheingaus – besonders leicht zu erreichen sind sie ohne Auto leider alle nicht. Und so Pilgern und Besucher jedes Jahr mit ihren Autos zu unseren Spielstätten. Um da nicht im Verkehrschaos zu versinken braucht es nicht nur eine gute Planung, sondern auch zuverlässige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort: unsere Parkplatzdienstler.

Was so ein Parkplatzdienstler macht, von den vielen kleinen Abenteuern, die der Job mit sich bringt und vom Spaß, den man natürlich ebenso hat, erzählt unser langjähriger Parkplatzanweiser Jean-Paul Janata:

Im Rheingau, und auch über unseren schönen Fleck Erde hinaus, kennt man das Rheingau Musik Festival. Deshalb wundert es nicht, dass man schon früh als Jugendlicher von Arbeitsmöglichkeiten beim RMF hört. In meinem Fall wurde ich über meine älteren Schwestern „angeworben“, die bereits als Hostessen dort gearbeitet haben, und ich begann 2016, mit 17 Jahren, beim RMF-Parkplatzdienst zu arbeiten. Insgesamt kann ich also auf dankbare fünf Jahre Parkplatzdienst zurückschauen. (2020 konnte das Festival ja nicht stattfinden.)

Der Parkplatzdienst besteht im Allgemeinen aus dem Durchführen von Parkplatzanweisungen mit Funkgeräten (oder kurz „Funken“), das Achten auf Regelungen und das Auf- und Abbauen von Konzertevents. Die Arbeit ist – vor allem für Minderjährige – ein guter erster Einstieg ins Berufsleben, mit sehr angemessener Entlohnung, die sogar erhöht wird, wenn man ein drittes Jahr in Folge dort weiterarbeitet.

© Ansgar Klostermann
© Ansgar Klostermann

Im Rahmen der Arbeit wird man in die unterschiedlichen, nahegelegenen Spielstätten des Rheingaus eingeteilt, die im Sommer am schönsten sind. Von Eltville bis Johannisberg und von Kloster Eberbach bis Ingelheim darf man an den Orten mit den besten Ausblicken arbeiten. Auch lernt man viele verschiedene Leute kennen und arbeitet meistens mit gleichaltrigen zusammen; wenn man Glück hat, sogar mit Freunden (weswegen ich nur empfehlen kann, sich gemeinsam mit seinen Freunden zu bewerben!). Aber auch durch ein gemeinsames Essen zum Saisonstart und anderen RMF-internen Feiern findet sich die Möglichkeit, coole Bekanntschaften zu machen und nach Diensten gemeinsam abzuhängen. Ein großer Pluspunkt ist, wenn man gerne Musik hört, da es Konzerte verschiedenster Musikrichtungen gibt und man ab und zu etwas mithören kann.

Es macht Spaß beim Parkplatzdienst mit den Funken zu arbeiten (auch wenn man darauf achten muss, sich nicht zu viele Scherze darüber zu erzählen) und gemeinsam herauszufinden, wie man die Parkplätze möglichst effizient für die Anzahl der Konzertbesucher aufteilt. Außerdem lernt man zu koordinieren, wie man mit Gästen kommuniziert und umgeht und wie man im Team arbeitet. Besonders stechen hier gemeinsame Arbeitstage an Großveranstaltungen, wie die Steinberger Tafelrunde oder das Schlossfest auf Vollrads heraus, an welchen man als Gruppe unter anderem Bühnenelemente und Sitzmöglichkeiten auf- und abbaut, sowie gemeinsam isst und Pause macht. Es gibt auch witzige und ungewöhnliche Herausforderungen beim Parkplatzdienst: Von feststeckenden Autos aus dem Ackerschlamm zu ziehen bis hin zu einem halbwegs strukturierten Parkmuster auf einer Wiese zu finden, damit Gäste nach der Veranstaltung sicher wieder wegfahren können, ist alles dabei.

© Ansgar Klostermann
© Ansgar Klostermann

Hier ein kleines Beispiel für den abenteuerlichen Parkplatzdienst-Alltag: Bei einem ausverkauften Konzert im Kloster Eberbach müssen oft die Parkgelegenheiten so verteilt werden, dass sogar auf dem Seitenstreifen der zum Kloster führenden Landstraße geparkt wird. Zu einem bestimmten Zeitpunkt fährt dann unser technischer Leiter, Jens Miska, die Landstraße ab, um die eigentlich in beide Richtungen befahrbare Straße für den Abend zu einer Einbahnstraße zu machen – natürlich ganz legal und mit Genehmigung. So können Gäste ihre Autos in eine Richtung parken, ohne den Verkehr zu behindern. Einige Male sollte ich mit Kollegen die Aufgabe übernehmen, die Autos entlang der Linie voreinander einparken zu lassen bis zu einem bestimmten Punkt etwa einen Kilometer die Straße hinunter, damit die Parkmöglichkeiten am Kloster besser aufgeteilt werden. Das Problem ist, dass die Spielstätte in einem Tal liegt und die Funkverbindung dort bei solchen Entfernungen manchmal abbricht. Deshalb musste ich mich mit den mir zuständigen Parkplatzdienstlern aufteilen, damit einer oder zwei in der Nähe des Klosters bleiben, um die Funkverbindung mit dem Rest des Teams zu halten, während der andere bis zum Ende des zu beparkenden Seitenstreifens die Autofahrer weiter einweist. Als wäre das nicht herausfordernd genug, mussten wir gleichzeitig auch aufpassen, dass die Fahrer sich nicht vor einer Einbiegung eines Landweges an der Landstraße stellen – obwohl der Straßeneinschnitt entsprechend von uns markiert wurde, damit landwirtschaftlicher Verkehr durchfahren kann. Da muss man dann auch mal ein paar hundert Meter die fertig zugeparkte Landstraße hochrennen, um den Kollegen Bescheid zu geben, damit diese dem restlichen Parkplatzdienst-Team weiterfunken können, dass alles voll ist und sie bitte keine durchfahrenden Autos mehr zu uns weiterschicken sollen. Man sieht: Es ist immer spannend und abwechslungsreich beim Parkplatzdienst!

Die Dienste gehen meistens nur ein paar Stunden und die Zeit vergeht schnell wenn man mit den Leuten spricht, sie beim Einparken anleitet und natürlich auch die verschiedenen Autos bewundert. An großen Spielstätten kann man, wie bereits gesagt, zu zweit oder dritt am selben Ort eingeteilt sein und so auch mit seiner Kollegin oder seinem Kollegen ins Gespräch kommen. Dazu kommt, dass man, gerade wenn man im Rheingau lebt, oft unerwartet Bekannte bei der Arbeit trifft, was jedes Mal lustig ist. Es wird auch immer wieder angeboten, mehr zu arbeiten und entsprechend mehr zu verdienen, wenn man will: Beispielsweise kann man bei einem Ausfall über eine Tauschbörse die Dienste anderer übernehmen und spontan bei Abbauarbeiten, Brandwache oder sonstigen Aufgaben des Technikteams nach oder während des Konzerts mithelfen, wenn es benötigt wird.

Alles in allem kann ich nur sagen, dass der Parkplatzdienst viel Spaß macht als Sommer- und Ferienjob. Das RMF schätzt seine Mitarbeiter sehr, man fühlt sich als Teil des Gesamtunternehmens und arbeitet dort in einer angenehmen Arbeitsatmosphäre, die eine gute Balance zwischen entspannter und sehr aktiver Arbeitszeit hat. Außerdem bietet das RMF viele Aufstiegs- und Einstiegsmöglichkeiten in das Unternehmen, man lernt sympathische neue Leute kennen und das alles eben in der Nähe der Heimat. Wenn du also aus dem Rheingau oder Umgebung kommst, sei dabei und bewirb dich dort! Dir wird garantiert nicht langweilig dabei. Es lohnt sich, bei der Saison 2022 als Parkplatzdienstler mitzumachen!

 

Seit einem Monat ist unsere Festival-Familie um drei neue Gesichter reicher. Das Künstlerische Betriebsbüro hat eine Volontärin und zwei Volontäre bekommen – und damit wichtige Unterstützung im bevorstehenden Festival-Wahnsinn! Wir haben mit den dreien auf ihren ersten Monat zurückgeblickt und dabei auch ein bisschen hinter die Kulissen des Rheingau Musik Festivals geschaut.

Albrecht Buder © Theresa Kost

Fangen wir mal ganz simpel an: Wer seid ihr und wie seid ihr hier beim Rheingau Musik Festival gelandet?

Samuel Lenz: Mein Name ist Samuel Lenz. Da ich schon lange ein großes Musik- und Kulturinteresse habe und mehrmals in der Vergangenheit das Festival besuchen konnte, war es für mich eine spannende Chance, hier einen Einblick hinter die Kulissen zu bekommen und im Rheingau mitarbeiten zu können. Mit einem Kulturmanagement-Studium und Erfahrungen am Theater ist das Rheingau Musik Festival jetzt eine passende Fortsetzung meiner vorherigen Tätigkeiten. Außerdem stehe ich seit einigen Jahren auf der Bühne und kenne somit die Gegebenheiten von Veranstaltungen. Mit großem Interesse schaue ich nun auf die andere Seite von Konzerten, d.h. die viele Organisation usw.

Albrecht Buder: Ich bin Albrecht, habe bis September 2021 Musikwissenschaft in Leipzig an der HMT studiert und habe mich in und außerhalb des Studiums schon früh auf Veranstaltungsorganisation spezialisiert. Die letzten 7 Jahre habe ich in Leipzig und Berlin verbracht, um verschiedene Veranstaltungsformate wie Konzerte und Festivals mit aufzubauen oder zu unterstützen. Nach einer kleinen sonnigen Auszeit nach dem Studium, ist mir online die freie Stelle als Volontär im KBB des Rheingau Musik Festivals direkt aufgefallen.

Hanna Kormann: Mein Name ist Hanna Kormann, ich habe vor dem Volontariat seit 2015 in Leipzig gelebt und dort meinen Bachelor in Englischer Literatur- und Kulturwissenschaft und Politikwissenschaft gemacht. Neben meinem etwas fachfremden Studium begeistere ich mich privat sehr für Musik und Kultur – entweder beim selbst Musik machen oder beim alles-was-geht-Kultur-Aufsaugen bei den vielen Leipziger Festivals, Musikhäusern oder Theatern. Nachdem ich mich im Uni-Radio in den Musik- und Kulturredaktionen ausgetobt und mich bei diversen Praktika im Goethe-Institut Irland oder im Künstlerhaus Nürnberg in die Veranstaltungsorganisation eingearbeitet habe, hatte ich Lust auf mehr Verantwortung und eine größere Herausforderung. Nach zwei Jahren Pandemie hatte ich zudem das Bedürfnis einen Sommer lang mit vielen guten Leuten etwas Schönes auf die Beine zu stellen – ich denke das Rheingau Musik Festival bietet mir mit dem Volontariat genau das, was ich gesucht habe.

Mit welchen Erwartungen habt ihr hier vor einem Monat angefangen?

HK: Wie vor jedem Beginn an einem neuen Arbeitsplatz bin ich mit verschiedenen Hoffnungen und Erwartungen in das Volontariat gegangen. Die Hoffnung auf mehr Verantwortung und Einbindung hat sich auf jeden Fall erfüllt. Ich hatte mich auf jeden Fall darauf eingestellt viele Abende und Wochenenden mit dem Festival zu verbringen, da es einfach in der Natur der Sache liegt – so wird es auch sein. Wir wurden auf jeden Fall schon mehrmals auf die Intensität der Festivalzeit vorbereitet. (lacht) Das Gesamtteam ist ehrlich gesagt jünger, als ich erwartet hatte, was mich positiv überrascht hat, weil sich dadurch nach meiner Erfahrung doch schneller eine Wellenlänge finden lässt.

SL: Ich war in jedem Fall gespannt, welche Aufgaben anfallen würden. Mir war bewusst, dass es darum gehen würde, mit diversen Agenturen in Kontakt zu treten und im besten Fall einen reibungslosen Konzertablauf herzustellen. Außerdem hatte ich die Hoffnung, in einem sympathischen Team anzukommen, mit dem man gerne zusammenarbeitet, was sich schnell in genau dieser Form bewahrheitete. Mir war vorher nicht bewusst, welche noch so kleinen Details bei einem Konzertabend beachtet werden müssen, um einen erfolgreichen Ablauf zu garantieren, doch genau deshalb ist es ein toller Job, da man als Konzertbesucher*in selten von diesen allumfassenden Fragen und Details erfährt.

AB: Als ich die Zusage in der Tasche hatte, war ich ehrlich gesagt durch das Bewerbungsgespräch schon ganz gut vorbereitet worden, was mich alles erwarten wird. Aus meiner Erfahrung bringt die Klassik-Musikszene erstmal immer etwas ehrfürchtiges mit sich (E-Musik und so). Das super familiäre und offene Klima am Arbeitsplatz lässt das jedoch schnell in Vergessenheit geraten.

 

Welche Aufgaben habt ihr bzw. werdet ihr Sommer haben?

SL: Vor dem Festival geht es darum, reibungslose Abläufe der Konzerte zu schaffen, d.h. die Planung der Reisen und Hotelbuchungen von Künstler*innen, des Aufbaus am Konzerttag. Im Wesentlichen setzen wir die von der Programmplanung gebuchten Konzerte um und organisieren alle damit verbundenen Details.

AB: Ich hatte schon im Vorfeld gehofft, dass ich die Verantwortung für alle Veranstaltungen des Festivals auf Schloss Johannisberg übernehmen kann. So ist es dann erfreulicherweise auch gekommen. Ich bereite die Konzerte im Konzert Kubus auf dem Schlossgelände vor und übernehme dann die Abendspielleitung für über 30 Konzerte.

HK: Ich bin während des Festivals für die Veranstaltungsleitung in den Außenspielstätten, also Kirchen und Weingütern, verantwortlich. Das bedeutet für mich viel Zeit im Auto und auf der Straße, denn die Spielstätten sind im Rheingau weit verstreut. Bevor aber die Türen auf und die Lichter angehen, muss der Ablauf reibungslos organisiert sein. Das heißt die Abstimmung und den Austausch zwischen Spielstätten, Agenturen, Künstlern, Technikfirma sicherstellen und jedes Detail festhalten, damit am Tag reihum alle zufrieden sind und am Ende ein schönes Konzert steht. Im Nachlauf der Konzerte müssen abschließend verwaltungstechnische Fragen geklärt werden, aber das ist Sache und Aufgabe meines zukünftigen Ichs… (lacht)

 

Worauf freut ihr euch im Sommer am meisten?

HK: Da ich wie gesagt auf vielen Spielstätten unterwegs sein werde – und ich nicht aus der Region komme -, freue ich mich sehr, durch die Konzerte viele Orte in der Gegend erkunden und kennenlernen zu dürfen. Sonst freue ich mich sehr auf die Arbeit im Team und auch bei anderen Konzerten einzuspringen und auszuhelfen und natürlich so viele Konzerte und Eindrücke wie möglich mitzunehmen. So ein einfacher Zugang zu guter Musik und hochwertigen Konzerten bietet sich selten.

Hanna Kormann © Theresa Kost
Samuel Lenz © Theresa Kost

SL: Ich freue mich natürlich auf die Konzerte, die man im Voraus alle geplant hat: Es ist schön, dann das Endergebnis der vorherigen Arbeit zu sehen und die wunderbare Musik zu hören, für die das Rheingau Musik Festival steht.

AB: Auf den Moment, wenn ich (hoffentlich) mit einem kühlen Weißwein nach einem unterhaltsamen Musikabend bei lauen Temperaturen ALLES auf mich wirken lassen kann.

Auch wenn es gefühlt noch in weiter Ferne liegt: Was steht nach dem Festival für euch an?

SL: Nach dem Festival kommen einige eigene Auftritte auf verschiedenen Bühnen, mein Studium wird zu Ende geführt und ich werde mich weiterhin im Kulturbetrieb umschauen und die Augen nach neuen Herausforderungen offen halten.

HK: Für die Zeit ab Herbst plane ich, irgendwo in Deutschland ein Masterstudium in Kulturmanagement oder Kulturwissenschaften zu beginnen und weiter in den Kulturbetrieb einzutauchen!

AB: Ich denke, das Rheingau Musik Festival wird mich direkt als Festangestellter übernehmen …(lacht)

Seit 1994 wird der Rheingau Musik Preis an renommierte Künstlerinnen und Künstler, Komponistinnen und Komponisten oder herausragende musikalische Institutionen verliehen. Das Preisgeld von 10.000 € wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst zu Verfügung gestellt. Dieses Jahr wird der schwedische Dirigent Herbert Blomstedt für sein künstlerisches Lebenswerk ausgezeichnet und somit der 29. Träger des Rheingau Musik Preises.

Seit über sechzig Jahren ist Blomstedt mit künstlerischem Tatendrang am Pult aller führenden internationalen Orchester zu erleben und hat sich den uneingeschränkten Respekt der musikalischen Welt erworben. Und nicht ohne Grund haben ihn zahlreiche Orchester zum Ehrendirigenten ernannt, darunter die Bamberger Symphoniker und seine ehemaligen Orchester in San Francisco, Leipzig, Kopenhagen, Stockholm und Dresden.

„Herbert Blomstedt ist einer der großen Dirigenten des 20. und mittlerweile auch des 21. Jahrhunderts – mit seinen bald 95 Jahren ist er Ehrendirigent bei sieben Orchestern und steht öfter am Pult als manche jüngeren Kolleginnen und Kollegen“, betont Angela Dorn, hessisch Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, die Bedeutung und das Engagements Blomstedts.

Herbert Blomstedt © Martin U.K. Lengemann
© Alexandra Vosding

Seit mehr als 20 Jahren ist Blomstedt auch bei uns regelmäßig zu Gast – und mittlerweile ein enger Freund des Rheingau Musik Festivals. Michael Hermann schwärmt: „Gerne erinnere ich mich an seinen 80. Geburtstag, der einen Tag nach seinem Konzert im Wiesbadener Kurhaus in Anwesenheit sämtlicher Intendanten und Direktoren seiner Orchester bei uns in Oestrich-Winkel gefeiert wurde.“

Umso mehr freuen wir uns, diesen ganz besonderen Künstler mit dem Rheingau Musik Preis 2022 zu würdigen.

Herbert Blomstedt beim Rheingau Musik Festival

27.8. | Sa. 19 Uhr | K 122

Kloster Eberbach
Basilika

Gustav Mahler Jugendorchester
Herbert Blomstedt Leitung

Anton Bruckner Sinfonie Nr. 7 E-Dur